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Tipps und Bauanleitungen (15) Bau eines Dioramas mit schlesischer Fahrleitung (von Thomas Kunze)
Der elektrische Zugbetrieb der Epoche II ist ein derartig interessantes Thema, dass man immer wieder Motive findet, die man ins Modell umsetzen will. So schwebt mir schon seit längerem der Bau eines kleinen und feinen Dioramas vor, in dem ich mich ein wenig ausprobieren will, so u.a. mit dem Bau von Code 40-Gleis und filigranen Fahrleitungsanlagen, Produkten verschiedener Kleinserienhersteller, Techniken u.a. Zum Schluss möchte ich gern ein Diorama haben, das vorzeigbar ist und auf dem ich typische Zuggarnituren der Schlesischen Gebirgsbahnen präsentieren kann. Im folgenden möchte ich Sie an der Konzeption und Umsetzung dieser Idee teilhaben lassen. Es wird natürlich seine Zeit dauern, aber ich glaube, es könnte auch interessant für andere Modellbauer werden. Also gehen wir es an!
9. April 2006 Hier ist die Idee: auf einer Länge von ca. 900 mm und einer Breite von ca. 180 mm verläuft auf einem erhabenen Bahndamm eine zweigleisige Strecke. Wir befinden uns im Bereich einer Bahnhofseinfahrt, weshalb ein Gleiswechsel zwischen den beiden Streckengleisen erfolgt und ein Stumpfgleis endet. Hinter dem Stumpfgleis überquert die Strecke einen Straßentunnel. Dieses Motiv hat sein Vorbild in der Einfahrt zum Bahnhof Nikolausdorf auf der Strecke Görlitz-Hirschberg. Es ist zwar nur ein kleiner Unterwegsbahnhof, aber der hat es in sich: ein wunderschönes Empfangsgebäude und vor allen Dingen Fahrleitungsmaste aller Coleur (Spann-Doppelbetonmaste für Querseilaufhängung, Spannbetonmaste und Gittermaste mit Querjoche, Einzelmaste mit verschiedenen Auslegern), von denen man heute noch die Überreste bewundern kann. Aber wie gesagt: ich will nicht diesen Bahnhof nachbauen, ich bediene mich nur dieser Vorlage. Für bauliche Anlagen ist auf dem Diorama kein Platz. Die beiden wichtigsten Elemente des Dioramas werden die Gleise und die Fahrleitung sein. Für die Gleise will ich die Code 40-Gleis- und Weichenbausätze von N-tram ausprobieren. Dieses System wurde von Wolfgang Besenhart entwickelt, wird über Hammerschmid vertrieben und ist ziemlich neu auf dem Markt. Was mich an diesem System fasziniert, sind die echten Lindenholzschwellen, die gegenüber den sonst verwendeten Pertinaxschwellen wesentlich realistischer aussehen sollten, und die Technologie des Bauens. Hier wird nicht gelötet, sondern nur geklebt, gebohrt und gebogen. Die Schienen werden mittels Schienenklammern auf den Schwellen befestigt. Die Fotos der N-tram-Broschüre jedenfalls sehen sehr beeindruckend aus. Die Fahrleitung soll den Stand der Entwicklung Ende der 1920er Jahre widerspiegeln, ehe die Reichsbahn-Einheitsfahrleitung eingeführt wurde. Bis dahin wurde viel experimentiert - besonders auf den schlesischen Strecken - so dass eine bemerkenswerte Vielfalt von fahrleitungstechnischen Anlagen vorhanden war. Davon will ich einiges im Maßstab 1:160 umsetzen, was sicherlich eine Herausforderung ist ob der Filigranität der Anlagen. Mein größtes Problem bisher war die Frage nach maßstäblichen Gittermasten mit Diagonalverstrebung. Damit steht und fällt das Unternehmen, denn Selbstbau der Masten ist mir zu kompliziert. Zum Glück gibt es aber seit geraumer Zeit den rührigen Kleinserienhersteller NDetail, der u.a. Ätzplatinen für den Bau von Gittermastleuchten anbietet. Diese passen von ihren Maßen (Höhe der Masten und Anzahl der Diagonalstreben) genau, so dass man sie nur noch mit einem scharfen Cutter voneinander trennen und vierlagig übereinander verlöten muss. Pro Platine erhält man also 5 schlanke Gittermasten. Aus feinem Messing-Winkelprofil, Ms-Streifen und Draht habe ich probehalber einen Einzelmast sowie ein Quertragewerk zusammengelötet. Es ging mir darum, erst einmal zu probieren, wie sich die Materialien verarbeiten lassen und mit welcher Technologie ich am besten fertigen kann. Das Ergebnis ist positiv (siehe Bilder weiter unten), so dass ich sehr wahrscheinlich auf diese Weise die verschiedenen Fahrleitungsmasten fertigen werde.
16. September 2006 Nachdem der Fortgang des Baus über die Sommermonate ein wenig ins Hintertreffen geriet, ist nun das Diorama in seiner Grundstruktur fertig gestellt. Als Unterbau verwendete ich Hartschaumplatten, die mit braun gefärbter Spachtelmasse überzogen wurden. Die Gleise werden direkt auf das Planum (Korkstreifen auf einer Grundplatte) aufklebt. Bezüglich der Gleise muss ich vorerst einen Rückzieher machen: ich hatte geplant, feines Code 40-Gleise zu verbauen, habe mich aber dann doch für Peco-Code 55-Gleise entschieden. Ich habe momentan leider zu wenig Zeit für den aufwändigen Selbstbau der Gleise; so dass ich die Realisierung dieser Idee auf später verschieben muss.
26.November 2006 Die Fahrleitungsanlagen sind im Rohbau fertig gestellt und konnten probehalber auf dem Diorama positioniert werden. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, möglichst unterschiedliche Mast-Joch-Fahrdrahthalter-Kombinationen einzusetzen, ohne dass es unglaubwürdig wirkt. Mast Nr. 1 besteht aus 2 Gitterflachmasten mit oberen Querjoch über die beiden Hauptgleise sowie einseitigem Ausleger für das Stumpfgleis. Auf dem Querjoch sind stehende Isolatoren befestigt (Bahnhofsbereich). Mast Nr. 2 ist ein klassisches Quertragewerk aus 2 Turmmasten und Querjochen, das stabil genug für Abspannungen ist. Mast Nr. 3 ist ein massiver Turmmast mit einseitigem Ausleger über zwei Gleise. Dieser kommt zum Einsatz, wenn auf der Gegenseite kein Platz für einen zweiten Mast ist oder aber auf dieser Seite ein Signal steht (um das Sichtfeld nicht zu beeinträchtigen). Mast Nr. 4 ist wieder ein klassisches Quertragewerk zwischen zwei Gitterflachmasten, wie man sie häufig auf der Strecke findet. Ein Fahrdrahthalter ist am Mast befestigt, der zweite ist über eine Konsole am Querjoch befestigt. Die Isolatoren hängen an der Unterseite des Joches. Der Fahrdraht, der das Stumpfgleis überspannt, wird außerdem noch von einem Einzelmasten mit Ausleger sowie einem Turm-Abspannmast geführt und gehalten. Alle Masten sind komplett aus Messing gefertigt. Als Materialien wurden verwendet: - Ätzplatinen "Gittermastlampen" von NDetail (Motiv 301-8/1.4) für den Bau der Gitterflachmasten - Turmmasten (Rohlinge) von Viessmann - H-, L-Profile, Ms-Draht und -streifen verschiedener Größen von Hassler Messingprofile
01.03.2007 Das Diorama ist nun so gut wie fertig gestellt. Es fehlen nur noch einige kleine Details (z.B. der Prellbock), aber alle Fahrleitungsmaste und -joche sind lackiert, die Gleise sind geschottert und farblich nachbehandelt und die Landschaftsgestaltung kann als abgeschlossen gelten. Jetzt haben wir endlich eine zünftige Präsentationsmöglichkeit für unsere schlesischen Lokomotiven. Wie gesagt: dies ist ein Test für verschiedene Aspekte des Modellbaus gewesen, dessen Erfahrungen in den Bau unserer Modulanlage einfließen werden. Hauptsächlich wollte ich wissen, ob es möglich ist, filigrane, aber gleichzeitig auch robuste und leicht zu fertigende Fahrleitungsanlagen nach schlesischem Vorbild herzustellen. Ich kann diese Frage guten Gewissens mit "ja" beantworten. Nachfolgend noch ein paar Bilder mit nachgestellten Szenen vom Fahrbetrieb auf den schlesischen Gebirgsbahnen in der 1930er Jahren, hier allerdings im Maßstab 1:160:
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